Otherskin - ein unbeholfener, faszinierender Alien-Tanz
Otherskin kommt wie ein seltsames Mixtape aus der Mitte der 2000er Jahre daher: teils Metroidvania, teils Tomb Raider, alles Indie-Fiebertraum. Es ist ein Third-Person-Action-Adventure, in dem du dich durch einen außerirdischen Planeten namens Vandermire schlagen, springen und absorbieren musst, während sich nach und nach eine Geschichte entfaltet, die gleichermaßen tragisch und seltsam ist. Das Spiel wurde Anfang September 2025 auf Steam veröffentlicht und wird von Game Atelier präsentiert, wobei FDG Entertainment die Publishing-Aufgaben übernommen hat, was dem Spiel einen Grad an Glanz und Sichtbarkeit verleiht, von dem die meisten kleinen Indies nur träumen.
Das Spielprinzip vonOtherskin ist auf dem Papier simpel und in der Praxis auf die bestmögliche Art und Weise chaotisch: Du bist Alex, der auf Vandermire gestrandet ist, und indem du die DNA oder "Häute" der Kreaturen, gegen die du kämpfst, verschlingst - im wahrsten Sinne des Wortes absorbierst - erhältst du neue Bewegungs- und Kampffähigkeiten. Das ist nicht nur ein Kampfgimmick; das Spiel nutzt deine neuen Formen, um das Vorankommen zu steuern und macht jedes Feuergefecht zu einem potenziellen Schlüssel zum nächsten Geheimraum. Die Idee kommt gut an; ob die Ausführung Schritt hält, ist das ganze spannende Argument dieses Spiels.
Gameplay: absorbierend ist das Spiel, und das Spiel ist absorbierend
Otherskin will, dass du mit seinen Gegnern intim wirst. Der Kampf ist zügig, manchmal unbeholfen und oft gerissen - es geht mehr um Timing und Positionierung als um die Beherrschung des Schnellfeuers. Die Feinde sind modular aufgebaut: Töte sie, nimm ihre Häute auf und plötzlich ändern sich deine Bewegungsmöglichkeiten. In einem Kampf kannst du dich an Wänden festhalten, in einem anderen unheimlich weit springen und in einem weiteren kurz schweben. Das Spiel hat dieses "Oh, warte, das kann ich jetzt benutzen"-Gefühl, das dafür sorgt, dass sich das Erkunden lohnt und nicht zur Routine wird.
Die Kämpfe sind nicht perfekt, und genau hier zeigt sich die Persönlichkeit von Otherskin. Die Kämpfe haben eine Struktur, die an den schrulligen Charme früher PS3-Action-Adventures erinnert: Sie sind an den Rändern ausgefranst, aber mit einem deutlichen Herzschlag. Einige Waffen fühlen sich wuchtig an, andere versprühen ein seltsames, unvorhersehbares Flair. Bei den Bosskämpfen wird oft deine Fähigkeit getestet, das Muster eines Gegners zu erkennen und zu entscheiden, welchen Skin du zur Party mitbringst. So wird jede Begegnung zu einem kleinen Rätsel: Töten, auswählen, anpassen.
Bewegung und Platforming sind zentral. Die Fähigkeiten, die du aufnimmst, erhöhen nicht nur deine Kraft, sie verändern auch deine Sicht auf die Karte. Eine zuvor unüberwindbare Klippe wird zu einer neuen Route, wenn du die richtige Kreatur absorbiert hast. Das ermutigt zum Backtracking auf eine Art und Weise, die sich eher erfinderisch als zermürbend anfühlen soll. Wenn das funktioniert, erreicht Otherskin einen befriedigenden Rhythmus: Erkundung nährt den Kampf, der wiederum neue Erkundungen ermöglicht, und die Welt gibt langsam ihre Geheimnisse preis.
Fortschritt in Otherskin: Haut für Haut, Level für Level
Die Progression in Otherskin spielt sich wie ein schichtweises Abspulen ab. Die ersten Stunden sind klinisch: Du lernst die grundlegenden Mechaniken, kämpfst mit ein paar unbeholfenen Kameramomenten und bekommst einen Schlag (oder umgekehrt), wenn du lernst, wie Absorption in der Praxis funktioniert. Sobald sich die Skins stapeln, kommt das Fortschrittssystem des Spiels voll zum Tragen. Fähigkeiten lassen sich kombinieren, Bewegungsfähigkeiten öffnen neue Knotenpunkte, Kampfaufwertungen machen optionale Bereiche überlebensfähig. Die Fortschrittsschleife ermutigt zur Neugier: Wenn du in der Höhle stöberst, findest du vielleicht ein organisches Upgrade, das deine Ausrüstung umgestaltet.
Es gibt einen Risiko-Belohnungs-Puls bei der Vergabe von Fortschritten. Einige der besseren Skins sind hinter optionalen Arenen oder Umgebungsrätseln versteckt, bei denen du über deine Ausrüstung nachdenken musst, bevor du sie einsetzt. Dieses Design belohnt Spieler/innen, die tüfteln, anstatt einfach drauflos zu spielen. Das Problem ist das Tempo: Manchmal verteilt das Spiel die Fähigkeiten in Schüben, so dass sich der mittlere Akt dünn anfühlt. Wenn das Tempo nachlässt, hat man das Gefühl, eine Karte mit vielversprechenden Räumen vor sich zu haben, die sich nicht ganz auszahlen, weil die Werkzeuge, um sie auszunutzen, etwas zu spät kommen. Die Kritiker haben dieses unregelmäßige Tempo bemängelt - die brillante Idee leidet gelegentlich unter der unzureichenden Umsetzung.
Der Fortschritt ist nicht nur mechanisch, sondern auch erzählerisch. Die Geschichte von Otherskin schält Schichten von Alex und der Welt ab, während du Skins erwirbst. Das Spiel ist sehr zurückhaltend mit Erklärungen und bevorzugt Umgebungserzählungen und kryptische Logbucheinträge, die den Spieler dazu bringen, die Vergangenheit des Planeten zu erforschen. Diese Herangehensweise passt zur Stimmung - manchmal eindringlich, manchmal rührselig - aber sie bedeutet auch, dass Spieler/innen, die sich eine direktere Handlung oder klarere Wegweiser wünschen, frustriert sein werden.
Optik, Ton und technische Macken
Optisch tauscht Otherskin den fotorealistischen Schliff gegen Atmosphäre ein. Vandermire ist oft düster, unheimlich und seltsam schön: biologisch leuchtende Flora, verfallene Industrieskelette und Kreaturen, die wie Albträume aus deinem Biologiebuch aussehen. Die Art Direction ist stark und verleiht dem Spiel eine eigene Identität - sie bleibt im Gedächtnis, selbst wenn die Bildrate stottert. Die Texturen und das Kreaturendesign sind faszinierend, und der Soundtrack passt zum Ton, indem er sich an grüblerische, synthetische Motive anlehnt, die die Erkundung ergänzen, ohne sie zu dominieren.
Wenn du weniger höflich schielst, wird das Spiel auch mit einigen technischen Problemen ausgeliefert. In den Rezensionen wird auf Bugs und Fehler hingewiesen, die von einer unruhigen Kamera bis hin zu schwerwiegenden Problemen reichen, die den Kampfablauf stören. Das sind die Hauptkritikpunkte von Spielern und Kritikern, die ansonsten den kreativen Ehrgeiz bewundert haben. Es ist der klassische Indie-Kompromiss: Ein Kopf voller Ideen und manchmal nicht genug Feinschliff, um sie alle unter einen Hut zu bringen.
Abschließende Meinung: Ein Skin mit Zähnen
Otherskin ist nicht perfekt. Das Spiel ist manchmal etwas holprig, das Tempo ist unregelmäßig und du musst mehr als nur ein paar technische Sünden verzeihen, wenn du seine Ambitionen zu schätzen weißt. Aber es ist genau die Art von kleinem Experiment, die das Medium braucht: mutig, leicht verrückt und in der Lage, dich an den ruhigen Stellen zwischen Kampf und Erkundung zu überraschen.
Wenn du ein frisches Einzelspieler-Erlebnis suchst, das Metroid-ähnliche Erkundung mit adaptiven Kämpfen verbindet, ist Otherskin deine Zeit wert - vor allem, wenn du weißt, dass du dich auf einen Indie mit großen Ideen und ein paar lockeren Schrauben einlässt. Otherskin ist kein lupenreiner Diamant, sondern ein roher Edelstein, der auch im Licht noch schneidet.